Denesius vom Vogelsberg

Tanzmeister Denesius

Die Jugendjahre

In der kalten Winternacht nach der Einkehr des Heiligen Sankt Nicolaus im Jahre MCMLXXVIII erblickte der Sohn einer Aristokratin und eines Kochs das Licht der Welt. Für viele Ärzte und Gelehrte stellte dieser Spross ein Rätsel dar. Hatten sie ihn doch zunächst für krank und schwächlich eingestuft, entwickelte er sich hingegen aller Weissagungen recht prächtig. Nach dem frühen Tod seines Vaters engagierte sich seine Mutter sehr stark für seine Bildung und sein Wohlergehen. Somit erlernte er eifrig die eigene sowie die angelsächsiche Sprache in Wort und Schrift und trat später in die Dienste eines großen Akademikus, um von ihm das Handwerk eines Kaufmannes zu erlernen.

Die Ritterschaft

Es ergab sich, dass der junge Kaufmann auf einem Tanzball die bezaubernde Laurentia de Boje kennenlernte. Angetan von seinen Fähigkeiten ermöglichte sie dem jungen Burschen eine Audienz beim Prinzen von Thule auf den Satzveyer Festspielen. Später auf der Eyneburg zu Belgien sollten sich dann die Schicksale der Ritterschaft und die des Herrn von Vogelsberg verschmelzen, als er sich bereit erklärte, in einem Wettstreit einen fehlenden Streiter zu ersetzen.

Die einen behaupten, dies geschah, um die junge Edeldame de Boje zu beeindrucken; wieder andere behaupten, Denesius wollte dem Prinzen seine überaus großzügige Gastfreundschaft vergelten. Wie es wirklich war, vermag heute niemand mehr zu sagen. Denesius trägt seit jenem Tag das Wappen der Ritterschaft mit Stolz und Demut.

Der Weg zum Tanzmeister

Zwar zeigte sich Denesius im Umgang mit dem blanken Stahl als fähiger Schüler, dennoch konnte er bei weitem nicht mit der Schnelligkeit und dem Geschick der Eliteknappen mithalten. Er wusste, dass er sich die Aufmerksamkeit der Dame de Boje nicht mit einer mittelmäßigen Darbietung seines Könnens verdienen könnte.
Dies war der Zeitpunkt, an dem er sich abermals auf die Lehren seines Onkels besann. Neben dem Schreiben und dem Lesen hatte man ihm noch die Minne gelehrt.
Obwohl die Dame seines Herzens hinter vorgehaltener Hand als Amazone betitelt wurde und ihr der Waffengang mehr zu bedeuten schien als die höfischen Umgangsformen, war sie immer noch eine Frau, die sich der Schönheit von Musik und Tanz nicht verschließen konnte.
Mit dieser Erkenntnis bat er den Prinzen, seine Ritter und Knappen in der Minne unterrichten zu dürfen. Dieser Schritt brachte sowohl ihm als auch seiner Ritterschaft sehr viel Ruhm und Ehre ein. Zur Belobigung verlieh ihm Prinz von Thule den Titel des Tanzmeisters, den er heute noch trägt und den selbst andere Ritterschaften ohne Neid anerkennen.
In der jüngsten Vergangenheit gefällt es dem Tanzmeister, sich mit einem ständig wachsenden Gefolge zu umgeben, welches sich zum größten Teil aus blutjungen Frauen zusammen setzt.
Zwar erfüllt es das Herz des Prinzen mit einem gewissen Unmut, dass diese Damen sich hauptsächlich in der Nähe seines Zeltes aufhalten, doch der Prinz lässt ihn gewähren. In seiner geduldigen Weisheit wartet er darauf, dass die Kapazitäten des Tanzmeisterzeltes erschöpft sind und wieder einige Frauen den Weg zu Ihm finden.

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2 Antworten auf Denesius vom Vogelsberg

  1. Ganayan sagt:

    Mit Stolz und Demut – eine treffliche Wortwahl! Eigenschaften, die sich in jeder Geste des Tanzmeisters wiederfinden *lächelt*

  2. José von Thule sagt:

    “hinter vorgehaltener Hand als Amazone betitelt wurde” – wer würde denn die hand vorhalten?

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